Ich wohne zusammen mit einem seelenlosen Roboter namens Daniel. Unsere Wohnung besteht aus zwei Schlafzimmern, einer Wohnküche und einem Bad. Daniel ist der Typ Mensch, der sich seine Klamotten maßschneidern lässt und dann drei Tage hungert, weil er sich so was eigentlich nicht leisten kann. Er ist außerdem Schalträger und bei Starbucks- Rumhocker. Er versucht dann, wichtig auszusehen und als habe er viel zu tun, weil er glaubt, die Frauen stehen auf solche Typen. Auf mich wirkt er immer, als sei er auf der Suche nach irgendwas und als wüsste er selbst nicht, nach was.
Daniel hat nicht die leiseste Ahnung, was ich beruflich mache. Er fragt auch nicht danach. Er wundert sich auch nicht, wenn ich abends um sieben das Haus verlasse und erst morgens zurückkomme. Manchmal fragt er, wie die Party war. Manchmal fragt er, wie die Arbeit war. Zumindest hab ich ihn noch nie am Straßenstrich gesehen und das lässt mich hoffen, dass er irgendwie einen anständigen Kern hat. Von den Männern, die zu meinen Kunden zählen, hat keiner auch nur das geringste Bisschen Anstand. Ich teile sie grob in drei Gruppen auf: Die Verschämten, die Selbstgefälligen und die Unverschämten.
Die Verschämten:
Das sind Familienväter, die manchmal morgens kommen, nachdem sie Hannah und Mads zur Schule gefahren haben. Sie schleichen mit ihren Kombis mit „Baby an Bord“- Sticker und Winnie Puuh- Sonnenschutz durch die enge Straße außerhalb der Innenstadt, wo wir warten und versuchen so auszusehen, als könnten wir es kaum erwarten.
Sie tragen Sweatshirts, Fielmannbrillen und Sneaker, mit denen sie glauben, so cool zu sein wie ihre 9jährigen Söhne. Sie nehmen uns selten mit in Hotels, denn dort könnten sie ja gesehen werden. Sie fahren mit uns auf den abgelegensten Parkplatz, den sie finden können, in die hinterste Ecke und bitten uns während der Fahrt meist, uns im Fußraum zu verstecken. Als sei das nicht armselig genug, feilschen sie dann noch, weil ein zu großes Loch in der Haushaltskasse natürlich auffällt. Im Schnitt sind sie bereit 15 Euro zu zahlen. Die Sache selbst ist dann aber auch immer ziemlich schnell vorbei, weil sie von Ilka oder Kathrin schon seit vier Monaten nicht mehr rangelassen wurden und sich da mächtig was angestaut hat. Sie sehen uns währenddessen nicht an. Nie.
Die Selbstgefälligen:
Diese Sorte Mann glaubt, wir wären Huren geworden, weil es uns Spaß macht. Sie kommen mit einem siegessicheren Lächeln, oft in Gruppen und zu Fuß, weil es ihn ihnen nicht peinlich ist, dafür zu bezahlen. Weil sie wissen, dass sie nicht bezahlen müssten, weil sowieso alle Frauen auf sie stehen. Die Sache mit dem Geld und das schmuddelige Ambiente, das übt einen bestimmten Reiz auf sie aus.
Sie zahlen oft etwas mehr als gefordert und gehen mit uns in Hotels. Sie sind meist sauber und sie riechen gut, was sie zur angenehmsten Kundegruppe macht- wenn da nicht eine Kleinigkeit wäre. Jeder (!!!) von ihnen, egal wie alt und egal aus welchem Kulturkreis, fragt hinterher, wie es war, ob er gut war, ob es uns auch so einen Spaß gemacht hat und so weiter und so weiter. Mit der Zeit lernst du, damit umzugehen. Denn wenn du tust, als ob es dir Spaß macht, kommt sich der Freier weniger schäbig vor. Er behält das Erlebnis in angenehmerer Erinnerung und kommt gerne wieder vorbei. Und darum geht es doch- dass sich aus dem riesigen, undurchsichtigen Menschen- und Autostrom täglich genug Männer lösen und den Weg zu uns finden.
Naja, kommen wir zu Gruppe 3:
Die Unverschämten:
Sie legen ein Verhalten an den Tag, was man auch bei Gruppe 1 teilweise beobachten kann- sie feilschen. Und zwar um jeden Euro. Für sie ist es ein besonderer Reiz, wenn sie nur 5 Euro für das volle Programm zahlen müssen. Und seitdem es Mädchen aus Bulgarien und der Ukraine gibt, die für einen Euro (EINEN EURO!) gewisse Dinge tun, für die ich das Zehnfache verlange, kommen diese Typen damit leider auch durch. Ich wüsste zu gerne mal, was mit diesen ukrainischen Mädchen nicht stimmt- zehn mal den Mund voll für zehn Euro? Die sind zum Glück nicht jeden Tag da, aus Angst vor der Polizei wahrscheinlich. Morgen werde ich wieder zur Arbeit gehen, denn mein Geld neigt sich dem Ende zu. Es ist vielleicht nicht klug, jeden Tag was beim Lieferservice zu bestellen, wenn man so lebt wie ich. Aber Hey- man lebt nur einmal oder nicht?
Bis zum nächsten Mal,
Eure
GloomyFox